Geschichten aus den M-Klassen

 

Tom H.:

 

Mein Weg zur Mittleren Reife war voller Entbehrungen und aufopferungsvoller Momente. Meine schulische Laufbahn wurde bereits während der 2. Klasse in Missgünste gezogen, nachdem bei mir die Persönlichkeitsstörung "ADS" diagnostiziert worden ist. 

 

Es ging für mich drei Jahre in das Förderzentrum Oberasbach. Meine Noten waren eine kleine Katastrophe und ich wurde nach der 4. Klasse auf das Förderzentrum Cadolzburg überwiesen.

 

Nach einem zweijährigen Aufenthalt im Förderzentrum konnte ich aufgrund erheblicher Leistungsverbesserungen in die Mittelschule Cadolzburg wechseln. Mein ADS wurde ab der 6. Klasse nicht mehr mit Medikamenten behandelt.

 

Bis zum Ende der 9. Klasse besuchte ich eine Regelklasse und mit erfolgreichem Quali (1,7) in der Tasche ging es für mich in die 10. Klasse.

 

Der Übertritt fiel mir sehr schwer, vor allem im Fach Mathematik (in welchem ich bis dahin immer gut war) konnte ich nur ein Mangelhaft als Resultat erzielen, weshalb ich das Schuljahr freiwillig wiederholte.

 

Doch nun habe ich die Mittlere Reife erfolgreich bestanden, wenn auch mit ein wenig Verspätung, und besuche ab September die FOS in Fürth.


Franziska M.:

 

Mein (Um-) Weg zur mittleren Reife

 

Ich habe in den Jahren 2005 bis 2009 die Grundschule Cadolzburg besucht. Zwar war ich eine
recht gute Schülerin, aber ich hätte vielleicht ab und zu etwas mehr lernen und aufpassen
sollen, dann hätte ich am Ende der vierten Klasse eventuell keine Aufnahmeprüfungen für
das Gymnasium machen müssen. Aber weil ich faul war und gerne im Unterrıcht mıt meinen
Banknachbarn geredet habe, musste ich da trotzdem antreten.


Ich kann mich erinnern, dass ich also eine Woche lang im Dietrich-Bonhoeffer-Gymnasium
auf die drei Prüfungen (Deutsch, Mathe und HSU) vorbereitet wurde, welche wir dann auch
dort geschrieben haben. Ungefähr eine Woche nach den Prüfungen kamen die Briefe: Ich
hatte bestanden und durfte die nächsten Jahre meine Wunschschule besuchen, das Helene-
Lange-Gymnasium.


Auf meiner neuen Schule wurde uns immer und immer wieder eingebläut, dass die Grund-
schulzeit jetzt vorbei sei und ein anderer Wind wehe. Und das haben wir auch deutlich zu
spüren bekommen: Zwei Mal die Woche hatte ich als Fünftklässlerin Nachmittagsunterricht.
Jeden Montag hatten wir am Nachmittag Mathe - Intensivierung und danach Sport und je-
den Mittwoch hatten meine Freundinnen und ich einen Wahl Kurs, „Figuren zeichnen“.


Man könnte sagen, ich sei selber schuld, aber wenn man auf dieser Schule nicht eine be-
stimmte Anzahl von Kursen belegt hatte, wurde man zur Oberstufe nicht zugelassen. Jedoch
muss ich sagen, in der fünften Klasse bin ich noch prima zurechtgekommen. Alles war eigent-
lich noch relativ einfach, bis ich in die sechste Klasse kam. Ich musste mich zwischen Franzö-
sisch und Latein entscheiden. Ich habe Französisch gewählt, weil mein Vater damals auf dem
Gymnasium auch Französisch gewählt hatte und ich dachte, er könnte mir dann eventuell
beim Lernen helfen. Außerdem hatte ich einen neuen Lehrer in Mathe und hab einfach
nichts mehr verstanden, weil er erstens einfach sehr schlecht im Erklären war und zweitens,
weil ich eventuell ein wenig unaufmerksam war.


Meine Noten wurden in der sechsten Klasse immer schlechter: Französisch 5 und Mathe 4.


In der siebten Klasse hatte ich dann in beiden Fächern eine 5 und das bedeutete, dass ich
eine Ehrenrunde drehen durfte. ln meiner zweiten siebten Klasse bin ich dann schon besser
zurechtgekommen, eventuell weil ich den Stoff schon mal gesehen hatte und ich die meisten
Vokabeln schon mal gehört hatte, oder vielleicht lag es auch daran, dass ich ganz andere
Lehrer bekommen habe, die besser erklären konnten.


Aber auch in dieser Klasse wurde uns immer und immer wieder gesagt, wenn wir keine
Hausaufgaben machen, gehören wir auf die Hauptschule. Und das ist kein Witz. Ich kann
mich daran erinnern dass das mindestens zwei Lehrer auf dieser Schule gesagt haben, wenn
ein paar Leute ihre Hausaufgaben mal wieder nicht gemacht hatten. Außerdem wurde uns
öfter gesagt, dass es nichts bringe auf die Realschule zu wechseln, weil der Leistungsan-
spruch dort nicht abnehmen würde, auf der Hautpschule aber schon. Das ist übrigens nicht

der Grund, warum ich auf die Mittelschule gegangen bin. Aber dazu komme ich später.

In Mathe wurde ich in der zweiten Siebten dann immer besser. Ich bin von einer Fünf zu ei-
ner Eins gekommen, in Französisch konnte ich mich (nur) auf eine Drei kämpfen. Am Ende
der Siebten wurde man dann noch einmal vor die Wahl gestellt, diesmal ob man den ma-
thematischen (Chemie), den sozialen (Sozialkunde und Sozialpraktische Grundbildung) oder
den sprachlichen (Spanisch) Zweig will. Ich habe mich damals für den sozialen Zweig ent-
schieden.


Mit der Selbstsicherheit, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, ging ich in meine
neue Klasse. Mathe war wieder ziemlich zufriedenstellend, Französisch ließ wieder zu wün-
schen übrig. Im achten Jahr kamen dann aber auch noch Schwierigkeiten in Geografie und
Physik mit dazu, die ich leider auch nach den Sommerferien durch die Nachprüfungen nicht
ausbügeln konnte. Obwohl ich extra meinen Urlaub abgebrochen habe und alleine mit dem
Zug von Venedig nach Nürnberg gefahren bin. Den Stoff des ganzen Jahres von drei ver-
schiedenen Fächern konnte ich leider in 5 Wochen nicht in mich rein prügeln. Auch wenn ich
es wirklich versucht habe, ich musste mich auf die Suche nach einer neuen Schule machen.


Und ich hatte da auch schon eine im Auge: die private Wirtschaftsschule Sabel in Nürnberg.
Meine Mutter, wenig begeistert von der Vorstellung, noch mehr Geld für mich auszugeben
neben meinem enormen Klamotten- und Kosmetika - Konsums, schlug mir Folgendes vor:
Ich sollte ein Jahr auf die Mittelschule Cadolzburg gehen und wenn ich dann noch auf eine
Wirtschaftsschule oder eine Realschule gehen wollte, könnte ich wechseln.


Aber da ich vom ersten Tag an sowohl von den Lehrern als auch von den Schülern super auf-
genommen wurde, wollte ich nicht mehr. Denn sonst wäre es für mich auch unmöglich ge-
wesen, die guten Noten meiner kleinen Schwester durch meine sehr guten Noten in den
Schatten zu stellen. (Hat ihr nicht geschadet, sie hat dadurch einen enormen Ehrgeiz entwi-
ckelt.) Nachdem ich letztes Jahr meinen Quali mit einem Notendurchschnitt von 1,55 er-
reicht hatte, hoffe ich diesen Durchschnitt dieses Jahr noch mal zu überbieten.


(Der Anspruch stieg übrigens, vor allem in der 10. Klasse, durchaus an! Vielleicht sollten sich
die Lehrer vom Gymnasium da mal genauer erkundigen.)


Danke für die letzten zwei Schuljahre. lch werde mit Freuden daran zurück denken.


Ákos B.:

 

"Ein Traum ist unerlässlich, wenn man die Zukunft gestalten will."

Viktor Hugo

 

Eine alte Grundschule in Ungarn, dort hat alles angefangen. Gute Leistungen,

schöne Erinnerungen wurden gesammelt, allerdings die Träume waren für sechs

Jahre Grundschule nur Träume geblieben.

 

Mit 13 Jahren bin ich mit meiner Schwester und meinen Eltern nach

Deutschland gezogen. Nur mein Vater konnte deutsch, sonst niemand aus der

Familie. 13. September 2012: Der erste Schultag ist schnell hereingebrochen.

Ich war sehr gestresst, obwohl ich wusste, dass ich erstmal in eine Übergangsklasse

komme. Aber erklär das doch mal einem aufgeregten Ausländer!

 

Zwei Jahre war ich in Fürth in der Ü-Klasse. In diesen zwei Jahren durfte ich an 

einem M-Zweig, an der Chemie-AG teilnehmen. Meine Lehrer haben mich 

und meine Mitschüler stetz unterstützt und verstanden. Dank jenen, kam ich in

die Mittelschule Cadolzburg. Die gleich Aufregung wie vor zwei Jahren!

Besonders als mich meine Klassenlehrerin, mit der Frage: "Von der Übergangsklasse

gleich in den M-Zug?" willkommen hieß. Natürlich ist man erstmal verunsichert oder gar

verängstigt, weil einfach viele und schnelle Gedanken durch den Kopf jagen.

 

Man soll und kann eigentlich auch nicht aufgeben, denn ein klares Ziel steht vor Augen.

So schrieb ich meinen Quali (1,88), obwohl ich noch nicht einmal drei Jahre in 

Deutschland war.

 

Am Ende des M-Zuges bin ich seit vier Jahren in Deutschland. Was ich hier gelernt habe

ist, dass - egal woher man kommt, wo man ist oder woran man glaubt - das Wichtigste

ein Ziel vor Augen ist! Der Wille, etwas zu erreichen, ist der Angst vor der Niederlage

immer überlegen. Üben, üben, üben!!!

 

So ist es nicht unmöglich.


Unsere Wege nach dem M-Zug


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